Der Kuchen war für meinen Freund. Allgemeine Verwirrung löste vor allem die Farbwahl aus. Besser noch war meine Erklärung zu der missglückten Gelierung der Füllung: Das gehört so. Das ist ein Hagelkuchen. Die Kaffee-Gesellschaft traute sich nicht weiter zu fragen. Es fiel nur noch das kleinlaute Urteil, er sei eeetwas zu süß für Durchschnittsgenießer. Doch Allen war der stille Vorwurf an das altmodische Frauenbild meines Partners klar. Interessant, wem die Bissen im Hals stecken blieben. Während der Freund-Schwieger-Papa ein Stück nach dem anderen grinsend vertilgte - nahm die Freund-Schwieger-Mama nur einen kleinen Mini-Haps...
Elika Pankhurst - 10. Nov, 18:51
Backen ist eine Kunst, die vor allem von Frauen beherrscht wurde und wird. Ich bin der Meinung, dass in einem Kuchen mehr zu finden ist, als nur die Summe seiner Zutaten. Ähnlich wie beim Betrachten einer Skulptur oder eines Bildes wissen wir, dass es Grundprinzipien jeder Kunst gibt - aber was uns interessiert ist die persönliche Note der KünstlerInnen. Was haben sie für Motive, wie ging es ihnen während der Arbeit, was wollen sie uns mitteilen? Backen ist eine sehr weibliche schichtenübergreifende Tätigkeit, die mehr verbirgt, als wir bis jetzt gesehen haben. Wütende Feministinnen kneten ihren Zorn in den Hefeteig, nachdenkliche Intellektuelle schenken ihre Visionen der Verzierung ihrer Pralinen, entnervte Hausfrauen strafen ihre Männer mit Fertigteig und Perfektionistinnen versuchen sich ganz up-to-date an Moderezepten wie Popcakes und Minitörtchen. Das Private ist politisch - und ein Kuchen sowieso.
Elika Pankhurst - 10. Nov, 16:52