Dienstag, 28. Januar 2014

Neues Backen

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die prinzipiell gegen alles sind; wenngleich ich auch nicht leicht zu überzeugen bin. Und ich finde den Beginn des neuen Jahres ausgesprochen erfreulich, da ich wieder von vorne beginnen kann - mit einer Diät zum Beispiel. Ich habe mich ein wenig in die Thematik eingelesen und komme immer wieder auf das Problem mit den Kohlenhydraten zurück. Jetzt habe ich es gewagt: Ich mache beim 10 Weeks Body Change mit. Seit vier Tagen habe ich ausschliesslich Fisch, Fleisch, Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse gegessen und es schmeckt mir immer noch nicht so gut wie Kekse, Müsli und Milchkaffee. Aber ich habe genauso gut durchgehalten, wie beim Verschweigen der 80 Euro, die mich die Anleitung gekostet hat. Dafür durfte ich Detlef D! Soost beim Rührei machen zuschauen. Und ab und zu schaue ich mir auch das Video an, in dem er mir zuruft: "Also: Kein Zucker, ohkhaaayy?!"

Freitag, 20. Dezember 2013

Zähne zusammenbeissen

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Alle Jahre wieder findet die Weihnachtsfeier der Grundschule meiner Tochter statt. Da zwängen sich dann ca. 20 total begeisterte Elternpaare um die verstaubte kleine Bühne, um den Kindern dabei zuzuhören, wie sie lautstark ihre größenwahnsinnigen Geschenkideen einfordern. Zwischendurch wird ein Theaterstück aufgeführt, in dem einmal gehörig mit traditionellen Weihnachtsmannbildern aufgeräumt wird und zum Schluss darf man sich dann über das Kuchenbuffet hermachen. Obwohl das alles sehr beschaulich und gruppenpsychologisch sehr stabil klingt, stell ich mir eine ganz zentrale Frage: Warum wird ständig davon gesprochen, dass alles für die Eltern veranstaltet wird? Die Gedichte haben die Kinder mit den Müttern geübt, einige haben die Väter wohl selber verfasst, um dem Töchterchen einen gelungenen Bühnenauftritt zu sichern. Die Kuchen wurden von den Eltern mitgebracht. Da hier ein gnadenloser "Mein Kuchen ist der beliebteste!"-Wettkampf tobt, reicht es selbstverständlich nicht einen zu kaufen. Das wäre zu ordinär. Um die Sitzplätze haben wir hart gekämpft. Mit allen Mitteln und Fingernägeln. Die Schwachen müssen stehen. Und diejenigen, die Krabbelkinder mit Trotzphasenzuschlag dabeihaben, müssen mit ihnen zusammen den Raum verlassen. Sonst stehlen sie den Grundschulkindern ja die Show. Klar. Und geschenkt bekommt eigentlich nur die Lehrerin etwas. Nämlich von den Eltern, für ihr so großartiges Engagement als Lehrerin. Das sie freilich während ihrer Arbeitszeit ausgeübt hat, wenngleich auch deutlich erfolgreicher als im Rest des Schuljahres. Man darf aber auch nicht vergessen, dass die anderen Eltern so schrecklich nett sind. Sie weisen mich stets dezent darauf hin, dass mein kleiner Sohn wieder die Bühne erreicht hat, dass es Zeit ist leise zu sein, dass er wie ein Plumpsklo riecht, dass ich einen Fussel auf der Schulter habe. Ich mag Lehrer und Eltern. Aus diesem Grund habe ich einen sehr engagierten Kuchen gebacken: Einen Nusskuchen mit glasierter Mandelkrone. Während sie mit aufgerissenen Augen und schwer arbeitenden Kaumuskeln das Aroma derselben testen, verabschiede ich mich: "Tschüss auch, bis zum nächsten mal." Ich höre hinter mir noch: "kchühüss, bch chm n... Scheische!"

Dienstag, 19. November 2013

Politisch korrekte Klopse

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Alle erfahrenen BäckerInnen wissen was man mit missglücktem oder übrig gebliebenem Schokokuchen machen kann. Genau: Rumkugeln - also nicht vor Lachen rumkugeln, sondern eben Kugeln mit Rum und Schokolade. Genauso wissen die KrisenmanagerInnen wie man mit fehlenden Rezeptzutaten umgeht - vor allem am Sonntag. Es wird fleißig hin- und hergebastelt. So erging es mir letztes Wochenende. Der Schokokuchen zerfiel im Ofen und ich zauberte daraus einen Rumkugelteig. Mangels vielfältiger Spirituosenvorräte ersetzte ich Rum durch Cola und Holunderblütensirup und die Schokostreusel verwandelten sich in Mandelblättchen. Schöner neuer Kuchen, fand ich zum Schluss. Jetzt braucht das Kind nur einen Namen, denn mit Rum hat das Ganze nicht mehr viel zu tun. Mohrenkugeln, hurgh - nein! Dunkle Möpse... uiuiui... Schokobeutel. Oh je! Negerk... Vergiss es.
Noch auf dem Weg zum Geburtstagskind grübelte ich über die Namensgebung. Verdammt, es wollte mir einfach nichts einfallen. Klingklong - die Tür geht auf. "Hey, alles Gute zu Deinem Geburtstag!" Strahlendes Gesicht antwortet: "Hey, danke. Oh was ist denn das?" Mist.
Ein Gedanke sagt: " Das sind... Klopse." Doppelmist. Äußerst irritierte Augen sind höflich bemüht: "Oh danke. Klopse. Aha. Lecker."
Mein Fazit beim Kreieren neuer Backwaren: Das Auge isst zwar mit, aber der Name auch. Dumm gelaufen, aber wenigstens politisch korrekt.

Montag, 11. November 2013

Ananas-Lebkuchen

4 Eier (Kl. M)
1 Pk. Bourbon-Vanillezucker
200 g Zucker, Salz
100 g gemahlene Mandeln
100 g gemahlene Haselnüsse
abgeriebene Schale von 1 Bio-Zitrone
150 g getrocknete Ananas
250 g Mehl
1 TL Backpulver
2 TL Lebkuchengewürz
200 g Ananaskonfitüre
130 g Zartbitter-Kuvertüre
Außerdem: Backpapier

1. Euerm Vanillezucker, Zucker, 1 Prise Salz in eine Schüssel geben, mit den Quirlen des Handrührers in 4 - 5 Minuten schaumig schlagen. Mandeln, Haselnüsse und Zitronenschale zugeben, unterrühren. 100 g Ananas fein hacken, unterheben. Mehl Backpulver und Lebkuchengewürz mischen und unter die Masse rühren.

2. Teil gelichmäßig auf ein mit Backpapier belegtes Backblech streichen. Im vorgeheizten Backofen bei 175 Grad (Gas: 2; Umluft: nicht empfehlenswert) auf der 2. Schiene von unten 20 Minuten backen, bis der Teig goldbraun ist. Herausnehmen, 5 Minuten abkühlen lassen. Auf ein Kuchengitter stürzen, das Backpapier abziehen und den Lebkuchen erkalten lassen.

3. Lebkuchen in der Mitte quer halbieren. Schnittflächen mit Ananaskonfitüre bestreichen, eine Lebkuchenhälfte mit der Konfitüre nach unten auf die andere Hälfte klappen. 1 Stunde kalt stellen.

4. Inzwischen Kuvertüre hacken, über einem warmen Wasserbad schmelzen. Restliche Ananas in Streifen schneiden.

5. Lebkuchen in 2 1/2 cm große Würfel schneiden. Mit der Oberseite leicht in die Kuvertüre tauchen und auf einem Kuchengitter abtropfen lassen. Mit 1 Streifen Ananas belegen.

Die Lebkuchen halten sich in Blechdosen zwischen Lagen von Backpapier kühl und trocken aufbewahrt ca. 4 Wochen.

Quelle: essen&trinken Spezial (2010, S. 15)

Die Lebkuchenkompagnie

Die-Lebkuchenkompagnie

Eins - zwo - drei - vier... Stillgestanden! Bevor die Adventszeit beginnt sollte gleich einmal getestet werden, wie sich exotische Ananas im Traditionsrezept so macht. Eigentlich eine ganz interessante Komposition und sie sind ja auch sehr adrett anzusehen. Alle tragen die gleiche Schokoladen-Uniform mit kandierter Pickelhaube. Doch noch während ich mein Kunstwerk nach getaner Konditorei betrachte, merke ich wie mich die zu klein geratenen Soldaten stören. Mickrig, schief und unvollkommen zerstören sie die ganze Symmetrie. Und doch - ich habe sie alle gern. Am Sonntag um 15.00 ziehen sie in den Krieg, aber ohne die schwächeren Kameraden. Die werden gleich vernascht. Natürlich soll es ordentlich aussehen. Zu Tisch, die Herrschaften, bewundern Sie meine stramme Truppe. Viel Arbeit habe ich in die Zöglinge gesteckt und sie haben mich stolz gemacht. Die Augen der Kaffeegesellschaft leuchten gierig. Und zack! ist mein bester Soldat bereits im Maul des Gierigsten verschwunden. Mein Hals schnürt sich zu. So hatte ich mir den Verlustschmerz nicht vorgestellt. Und wieder zackbum! der zweitbeste Mann verschwindet im Rachen meiner Tochter. Seine Pickelhaube klebt noch an ihrem Mundwinkel. Mir wird flau. Nachdem von meiner Sturmtruppe der Großteil verschlungen ist, will ich in mein Kissen weinen. All die tapferen Lebkuchen - so werden sie einfach dahingeschlachtet. Ich betrachte sentimental mein Handyfoto (s.o.). Da waren sie noch alle beisammen und waren froh. Eilig verstaue ich die letzten fünf in einer Keksschachtel. In einem Monat werde ich feststellen müssen, dass auch sie verdorben sind: Posttraumatische Belastungsstörung.

Sonntag, 10. November 2013

Der Geburtstagskuchen

Der Kuchen war für meinen Freund.  Allgemeine Verwirrung löste vor allem die Farbwahl aus. Besser noch war meine Erklärung zu der missglückten Gelierung der Füllung: Das gehört so. Das ist ein Hagelkuchen. Die Kaffee-Gesellschaft traute sich nicht weiter zu fragen.  Es fiel nur noch die Urteil,  er sei eeetwas zu süß für deren Geschmack. Doch allen war der stille Vorwurf an das altmodische Frauenbild meines Partnets klar. Interessant war, wem die Bissen im Hals stecken blieben.  Während der Freund-Schwieger-Papa ein Stück nach dem anderen grinsend vertilgte - nahm die Freund-Schwieger-Mama nur einen kleinen Mini-Haps...

Der Kuchen war für meinen Freund. Allgemeine Verwirrung löste vor allem die Farbwahl aus. Besser noch war meine Erklärung zu der missglückten Gelierung der Füllung: Das gehört so. Das ist ein Hagelkuchen. Die Kaffee-Gesellschaft traute sich nicht weiter zu fragen. Es fiel nur noch das kleinlaute Urteil, er sei eeetwas zu süß für Durchschnittsgenießer. Doch Allen war der stille Vorwurf an das altmodische Frauenbild meines Partners klar. Interessant, wem die Bissen im Hals stecken blieben. Während der Freund-Schwieger-Papa ein Stück nach dem anderen grinsend vertilgte - nahm die Freund-Schwieger-Mama nur einen kleinen Mini-Haps...

Eine Einleitung

Backen ist eine Kunst, die vor allem von Frauen beherrscht wurde und wird. Ich bin der Meinung, dass in einem Kuchen mehr zu finden ist, als nur die Summe seiner Zutaten. Ähnlich wie beim Betrachten einer Skulptur oder eines Bildes wissen wir, dass es Grundprinzipien jeder Kunst gibt - aber was uns interessiert ist die persönliche Note der KünstlerInnen. Was haben sie für Motive, wie ging es ihnen während der Arbeit, was wollen sie uns mitteilen? Backen ist eine sehr weibliche schichtenübergreifende Tätigkeit, die mehr verbirgt, als wir bis jetzt gesehen haben. Wütende Feministinnen kneten ihren Zorn in den Hefeteig, nachdenkliche Intellektuelle schenken ihre Visionen der Verzierung ihrer Pralinen, entnervte Hausfrauen strafen ihre Männer mit Fertigteig und Perfektionistinnen versuchen sich ganz up-to-date an Moderezepten wie Popcakes und Minitörtchen. Das Private ist politisch - und ein Kuchen sowieso.

Elika Pankhurst

Nova artifica docuit fames.

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