Zähne zusammenbeissen

Alle Jahre wieder findet die Weihnachtsfeier der Grundschule meiner Tochter statt. Da zwängen sich dann ca. 20 total begeisterte Elternpaare um die verstaubte kleine Bühne, um den Kindern dabei zuzuhören, wie sie lautstark ihre größenwahnsinnigen Geschenkideen einfordern. Zwischendurch wird ein Theaterstück aufgeführt, in dem einmal gehörig mit traditionellen Weihnachtsmannbildern aufgeräumt wird und zum Schluss darf man sich dann über das Kuchenbuffet hermachen. Obwohl das alles sehr beschaulich und gruppenpsychologisch sehr stabil klingt, stell ich mir eine ganz zentrale Frage: Warum wird ständig davon gesprochen, dass alles für die Eltern veranstaltet wird? Die Gedichte haben die Kinder mit den Müttern geübt, einige haben die Väter wohl selber verfasst, um dem Töchterchen einen gelungenen Bühnenauftritt zu sichern. Die Kuchen wurden von den Eltern mitgebracht. Da hier ein gnadenloser "Mein Kuchen ist der beliebteste!"-Wettkampf tobt, reicht es selbstverständlich nicht einen zu kaufen. Das wäre zu ordinär. Um die Sitzplätze haben wir hart gekämpft. Mit allen Mitteln und Fingernägeln. Die Schwachen müssen stehen. Und diejenigen, die Krabbelkinder mit Trotzphasenzuschlag dabeihaben, müssen mit ihnen zusammen den Raum verlassen. Sonst stehlen sie den Grundschulkindern ja die Show. Klar. Und geschenkt bekommt eigentlich nur die Lehrerin etwas. Nämlich von den Eltern, für ihr so großartiges Engagement als Lehrerin. Das sie freilich während ihrer Arbeitszeit ausgeübt hat, wenngleich auch deutlich erfolgreicher als im Rest des Schuljahres. Man darf aber auch nicht vergessen, dass die anderen Eltern so schrecklich nett sind. Sie weisen mich stets dezent darauf hin, dass mein kleiner Sohn wieder die Bühne erreicht hat, dass es Zeit ist leise zu sein, dass er wie ein Plumpsklo riecht, dass ich einen Fussel auf der Schulter habe. Ich mag Lehrer und Eltern. Aus diesem Grund habe ich einen sehr engagierten Kuchen gebacken: Einen Nusskuchen mit glasierter Mandelkrone. Während sie mit aufgerissenen Augen und schwer arbeitenden Kaumuskeln das Aroma derselben testen, verabschiede ich mich: "Tschüss auch, bis zum nächsten mal." Ich höre hinter mir noch: "kchühüss, bch chm n... Scheische!"
Elika Pankhurst - 20. Dez, 11:41